Kinderkulturkarawane – Danceaholic Project Crew

Wenn Tänzer eine Geschichte erzählen Kunst gegen Vorurteile, Verfolgung und Gewalt

Sie tanzen sich die Seele aus dem Leib: ehemalige Flüchtlinge und Straßenkinder der Danceholic Project Crew aus Kolumbien. Mit einer Mischung aus Streetdance, Hip-Hop, Capoeira, einem Kampftanz, und Parkour, einer Kampfsportart, erzählen sie ihre Geschichte auf der Bühne der Fürther elan gmbh – eine Geschichte von Verfolgung und Gewalt. „Im Schatten der Berge“ basiert auf realen Ereignissen, wie sie in Randbezirken von Bogota stattgefunden haben. Es geht bei diesem viertägigen Projekt mit Workshop, einer Veranstaltung des Jugendhauses Catch Up, um Fremdsein. Gefördert wird es von „Fürther Vielfalt tut gut!“, unterstützt vom Bundesfamilienministerium.

Nur kurze Zeit dauert es, bis die jungen Zuschauer aus den verschiedensten Schulen in Fürth, im Rhythmus mitgehen, klatschen, wieder ruhig werden und staunen, ganz dabei sind.  „Im Schatten der Berge“ stellt dar, wie junge Künstler in Kolumbien zwischen 2000 und 2005 von einer Organisation, dem „Schwarzen Adler“ bedroht, geprügelt, verwundet, getötet wurden. Als „Säuberungsaktionen“ beschrieben die Bewohner diese gezielten Verfolgungsaktionen. Tanz und Theater fasste der „Schwarze Adler“ nämlich als Rebellion und Revolte auf. So flüchteten viele vom Land in die Slums der Stadt, wo es aber genau so weiter ging. Doch die Jugendlichen gaben nicht auf. 2006 war der heutige Crew-Leiter Ricardo als 16-Jähriger zum ersten Mal in Hamburg bei der „KinderKulturKarawane“, die Jugendgruppen aus aller Welt Auftritte in Europa ermöglicht. Durch seine Erfahrung ermutigt gründete Ricardo 2009 mit zehn Freunden in Kolumbien eine Tanzgruppe.

Die jungen Leute wollten mit ihrer Arbeit neue Perspektiven schaffen, eben nicht aufgeben. Damit scheinen sie immer noch auf dem richtigen Weg zu sein. Sie sind inzwischen nicht nur ziemlich perfekt im Rap oder Streetdance. Sie berühren, treffen den Nerv der Kinder – auch hierzulande. An diesem Vormittag erleben die Schüler, dass Anderssein viele positive Aspekte hat, dass es sich lohnt, sich zu wehren und, dass Aktion, wenn es sich um so kraftvolle Formen handelt, selbst unter schwierigsten Umständen verdammt viel Spaß machen kann.

„Wir sind total überwältigt“, sagt Swantje Schindehütte, Leiterin des Kinder- und Jugendhauses Catch Up ob des bis auf den letzten Platz besetzten Saales. „Das ist eine gute Gelegenheit für Jugendliche, Gleichaltrige aus einem anderen Land kennen zu lernen“, betont Jugendamtsleiter Hermann Schnitzer. Mit Workshop nach der Performance gehen die Tänzer wieder ins Jugendhaus nebenan. Dort sind die Künstler vier Tage mit den Kindern des Catch Up zusammen. Am spannendsten ist natürlich der Workshop, den die Crew anbietet. 40 Kinder kommen an diesem Nachmittag. Estivens und Daymer erklären ruhig und geduldig. Langsam werden erste Schritte im Hip Hop und Streetdance geübt. Gar nicht so einfach und: anstrengend.

Aber „cool“, wie Ela und Eileen feststellen! Auch die Truppe, die unter Anleitung von Ricardo Capoeira erste Schritte wagt, ist bald aus der Puste. Trotzdem bleiben alle konzentriert bei der Sache. „Ganz toll“, stellt Alex in der Pause fest und freut sich aufs Weitermachen. Am Abend sitzen alle erschöpft, aber glücklich beim gemeinsamen Abendessen. Und natürlich dauert es nicht lange, bis eine rege Unterhaltung in Gang kommt. Schließlich weiß man ja jetzt, wer die jungen Tänzer aus Kolumbien sind und will doch noch viel mehr von ihnen erfahren. Auch wenn es mit dem Englischen und Spanischen nicht so ganz richtig klappt, irgendwie verstehen sich alle prima!

Pressekontakt: Jochen Krüger, Koordinierungsstelle „Fürther Vielfalt tut gut“, Fronmüllerstraße 34, 90763 Fürth,

Tel.: 0911 / 71 00 76, info@fuerther-vielfalt.de