Etablierung nachhaltiger Jugendbeteiligung in Fürth – am Beispiel Streetart im öffentlichen Raum

Ausgangspunkt der Entwicklungen um legale Graffitiflächen in Fürth war der „Wortwechsel“, ein Dialogformat zwischen Jugendlichen, städtischer Verwaltung und Kommunalpolitik, der 2013 durch das Beteiligungsprojekt „Echt Fürth“ ins Leben gerufen wurde.

Die Forderungen nach Übungswänden um Künstler:innen zu entkriminalisieren wurden hier erstmals formuliert und dokumentiert. Unterstützt wurde das Anliegen durch die Abteilung Jugendarbeit, des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien.
Bereits im Herbst 2013 konnte die Schallschutzwand am Jugendhaus Hardhöhe als legale Fläche in Betrieb genommen werden. Dies bot die Möglichkeit das Anliegen der Jugendlichen weiter pädagogisch zu begleiten und auszubauen. Die Sprayer:innen planten eigene Workshops und Events in Begleitung des Jugendhauses.

In Zusammenarbeit mit dem Baureferat der wurden den jungen Künstler:innen immer wieder Flächen zur Gestaltung bereitgestellt. Ein bekanntes Beispiel ist dabei die Friedhofsmauer am Friedhofssteg, die 2016 gestaltet wurde.
Im gleichen Jahr fand am Kinder- und Jugendhaus Catch Up die „Summer Gallery“ statt. Hier wurde in Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus der Szene ein Event für Sprayer:innen konzipiert, an denen erstmals Bauzäune vor dem Jugendhaus in der Kapellenstraße durch professionelle Graffitartists gestaltet und über mehrere Wochen öffentlich ausgestellt wurden.

Im Mai 2020 wurden drei Unterführungen unterhalb der Altstadt (Schießplatz, Untere Fischerstraße und Mühlstraße) durch die kommunale Verwaltung zum Besprühen freigegeben. Vorausgegangen waren erneute Forderungen nach mehr legalen Flächen in zentraler Lage, die vor allem durch die Aktion „Protestgarten“ im Sommer 2018 ins Gespräch gebracht wurden.

Die Flächen boten neue Anknüpfungspunkte für Jugendliche sich selbst zu organisieren und Nutzungsregeln mit Unterstützung des Kinder- und Jugendhauses Catch Up zu entwickeln. In regelmäßigen Abständen entstehen bis heute neue Bilder in den Unterführungen und verleihen dem Erscheinungsbild der Stadt so immer wieder ein neues Gesicht.

Im Projekt „Julius Hirsch Memorial Wall“ konzipierten Jugendliche einen Teil der Unterführung Schießplatz und entwickelten so eine grafische Umsetzung zum Leben von Julius Hirsch, dem im Fürther Fußball und im Fußball allgemein eine wichtige Bedeutung zukommt.

Durch das rege Interesse an den legalen Graffitiflächen wurde 2021 die Streetart Challenge durch das Kinder- und Jugendhaus Catch Up und das Fanprojekt Fürth entwickelt. Anhand eines Oberthemas gestalteten junge Künstler:innen Bauzäune. Die Arbeiten wurden anschließend in der Konrad Adenauer Anlage in der Fürther Innenstadt ausgestellt.

In Abstimmung mit dem Baureferat wurden im Herbst 2021 Bauzäune an der Hallstraße für die Gestaltung durch jugendliche Künstler:innen präpariert. Die Ergebnisse des Projekts „Streetart Challenge – Kunst am Bauzaun“ waren mehrere Wochen zwischen Stadttheater und Amtsgericht ausgestellt. Durch Gestaltungen von Baustellen können Jugendliche das Erscheinungsbild ihres urbanen Lebensraums aktiv temporär mitgestalten und verändern.

Aufgrund der positiven Resonanz stellte die Stadthalle Fürth im Nachgang an dieses Projekt einen Teil des Parkhauses zur freien Gestaltung durch junge Künstler:innen zur Verfügung. Das Kinder- und Jugendhaus Catch Up und das Fanprojekt Fürth begleiteten diese Aktion („Kulturgaragentage“), an denen sich verschiedene Menschen aus der Graffitiszene in Fürth beteiligten.
Immer wieder betonen auch Jugendliche im jährlichen Fürther Jugendforum, wie wichtig ihnen Kunstflächen im öffentlichen Raum sind.

Die erfolgreichen Streetart-Projekte stärkten das Vertrauen der Kommunalpolitik in Fürths Graffitiszene. Dies führte dazu, dass sich der Stadtrat im Herbst 2021 per Beschluss entschied, Jugendliche in die Gestaltung der Rückwand der neuen Feuerwache mit einzubeziehen. Der Beschluss sah vor, dass das Fanprojekt Fürth und das Kinder- und Jugendhaus Catch Up die Gestaltung pädagogisch umsetzen sollten. Das Baureferat stellte die finanziellen Mittel zur Verfügung.
Das Projekt bietet eine der größten zu gestaltenden Flächen in der Region. Die Maße der Wand betragen ca. 270 m².

Die Beteiligten Einrichtungen gewannen eine Gruppe von engagierten Jugendlichen mit Graffitierfahrung für das dreimonatige Projekt. Von der Themenfindung, bis hin zur Umsetzung erarbeiteten die Jugendlichen alle nötigen Schritte. Das beinhaltete auch die Definition von Arbeitsweisen, die Häufigkeit der Arbeitstreffen und die Kommunikationsstruktur.

Im Projektverlauf arbeiteten alle beteiligten Institutionen eng vernetzt (Fanprojekt Fürth, Kinder- und Jugendhaus Catch Up, Baureferat, Feuerwehr). Am 1. Juli begann die Umsetzungsphase.

Das Beispiel zeigt, dass eine professionelle Begleitung und die Sichtbarmachung von Jugendinteressen in interdisziplinärer Besetzung die Sicht und das Verständnis auf Jugend und für Jugendliche nachhaltig verändert. Das führte bei FÜRTHFÄRBEN! dazu, dass Jugendpolitik und -beteiligung als Querschnittsaufgabe anerkannt und ausreichend finanziell ausgestattet wurde.

Das Projekt FÜRTHFÄRBEN! stellt einen neuen Status Quo da, in dem kommunale Synergien für demokratische Prozesse entwickelt werden. Jugendliche begegnen Verantwortungsträger:innen auf Augenhöhe, werden in ihren Kompetenzen anerkannt und mit ihren zeitlichen Ressourcen berücksichtigt.